Naaa, wie geht’s?

Es gab Zeiten, da hat man dieser Frage einmal Bedeutung beigemessen. Als mein Gegenüber tatsächlich noch daran interessiert war, wie es mir tatsächlich geht.
Ich habe mir abgewöhnt, auf Fragen solcher Art zu atworten.
Ich stelle sie aber auch nicht mehr.

Na, von mir aus.
Bin ich halt eine empfindliche Mimose.
Ein goleichgültiges  Miststück.
Na, von mir aus.

Aber – ich mag das durchaus falsch verstanden haben, das geb ich gerne zu – eigentlich signialisieren Fragen der Art „Naaa, wie geht’s“ ein gewisses Maß Interesse am Gegenüber.

Oh – ach so…je nun…hab ich wieder einmal nicht mitbekommen, dass sich unsere Gesellschaft in diesem Punkt geändert hat und wir uns nur noch auf dem Parkett der Floskel-Hin-und-Her-Schieberei befinden, in der Oberflächlichkeit, Massenstreben und Opportunismus an oberster Stelle der Tagesordnung stehen.

Himmel! Ich komme mir so alt, vor allen Dingen altbacken, vor. Antiquiert und verstaubt. Aber ich kann da doch nicht alleine sein damit…oder doch? Empathie – es scheint heutzutage mehr denn je ein Fremdwort zu sein. Ha!

„Naaa, wie geht’s Dir?“ bildete in den vergangenen 5 Jahren zu oft den Ausgangspunkt zur Selbstbeweiräucherung, Selbstdarstellung und Selbstbemitleidung des Fragestellers – ohne überhaupt meine Antwort abzuwarten.
Jaah – ich weiß sehr wohl, dass ich hier gerade nichts anderes tue. Nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass dies hier niemand lesen muss, der nicht will.
Ich frage Dich, wer immer Du bist, der dies hier gerade liest: Wann hast Du das letzte Mal jemanden nach seinem Befinden gefragt und wolltest die Antwort darauf wirklich und wahrhaftig hören.

Ich tue das nicht mehr. Ich frage nicht mehr. Man hat mir zu verstehen gegeben, dass es nicht erwünscht ist, wenn ich im Anschluss an anderer Leute Klagelied meinen Sermon predige. Klar – jeder sieht seine Misere als die Schlimmste an. Aber auf der einen Seite mir erzählen wollen, dass „so eine Freundschaft (pah!!) ein Geben und Nehmen“ und dass ich dann „beim nächsteln Mal dran“ bin „mit Ausheulen, wenn bei mir mal ein bisschen Ruhe einkehrt“.

Aber ich erzähl Euch, wie’s mir geht – und jetzt jammere ich tatsächlich mal:
Mir geht’s nicht gut.
Nein.
Anders.
Mir geht’s scheiße, liebe Leute. So sieht’s mal aus.
Ich hab gesagt, dass ich mir immer alles anhöre, was Euch beschäftigt, wenn das der einizge Weg ist, dazuzugehören.

Aber ich kann nicht mehr!!
Ihr ladet Euren Ärger und Frust, Euren Liebeskummer, Euren Stress hier ab und geht dann vergnügt und leichten Herzens Eurer Wege. Ich hab wohl kapiert, dass ich wenig wert bin, gesellschaftlich eher den Rang einer Klofrau bekleide – immer da sein, alles aufwischen, aber bitte nicht beachten!
Aber bitte – ich kann wirklich nicht mehr. Meine eigene Psyche ist kaputt genug, gelinde gesagt: im Arsch – wie soll ich Euren Kram wegstecken, wenn ich nicht mal mit mir selbst klarkomme? Ich würde gerne sagen, „Meine Seele ist gebrochen“, aber ich möchte weitere Lachanfälle auf meine Kosten gerne vermeiden.
Ich kann nur einfach nicht mehr. Ich sitze im Zug und habe Mühe, nicht loszuheulen. In der Uni – größte Mühe, die Fassade aufrecht zu halten. Bei der Arbeit – Gott bewahre! Betrachtet man mich dort selten als etwas anderes als eine niedere Angestellte oder eine Lachnummer.
Oder aber: Ihr reibt mir Euer tolles, ach so wunderbares Leben, in dem alles glatt läuft und Ihr auf Eurer rosa-glitzernden Wolke gen Sonnen untergang dahinschwebt, unter die Nase…und wehe, ich vergesse Kniefall und Applaus!
Danke! Mein Leben geht den Bach runter, ich schaffe es nicht, es in richtige Bahnen zu lenken. Meine Welt ist dieses Jahr ein zweites Mal zusammengebrochen. Aber ich bin nicht in der Lage gewesen, dass so einfach wegzustecken. Und derjenige, welcher der Auslöser der ganzen Misere ist…erfreut sich seines Lebens. Nachdem er mich angelogen und mich wie das letzte Stück Dreck behandelt hat. Da kann ich das gerade besonders gut gebrauchen… Jaah, verdammnt!! Natürlich bin ich neidisch, eifersüchtig! Weil ich das auch will.
Aber nicht bekomme. Nicht schaffe. Warum auch immer.

Oh jajaja – jetzt jammert sie wieder rum!!
Jaah – verdammte Scheiße! Weil auch ich dann und wann mal ein Anrecht darauf habe.
Oder nicht? Warum darf ich nicht auch mal sagen „Hallo? Mir geht’s nicht gut!“ – ohne Antworten wie „Stell Dich mal nicht so an, so schlimm wird’s nicht sein.“, „*Seufz* Du tust mir echt leid“ oder „Da heißt es nur – Augen zu und durch. Wird schon wieder.“

Bitte!! Bitte, ja?! Bitte gebt mir ein bisschen Zeit für mich selbst. Ich kann wirklich nicht mehr. Oder bin ich tatsächlich so wenig wert? Dann sagt mir das und ich bin nicht länger im Weg.

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